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Beim Durchstöbern von anderen Blogs landete ich im Tagebuch von  Daniela. Sie erzählt von einem Traum, in dem sie von einem schwulen Freund träumt, mit dem sie Sex hat. Dabei beobachtet und beurteilt sie sich selbst:

Ja, komm aus deiner Kontrolle heraus und zeige mir was Du kannst!“– – –

Dieser Freund von mir, den ich jetzt ewig nicht mehr gesehen habe, schätze ich sehr für seine Offenheit und Mut. Allein daß er in einer kleinen und konserativen Stadt in B. dazu gestanden ist, keine Frauen, sondern Männer zu mögen, zeigt seine innere Kraft. Ich habe ihn immer für seine unmoralische Freiheit bewundert. Er kann oft unverschämt werden, was ich immer klasse fand. 

Im Traum steht er für die innere Stimme in mir, die mir hinweist, die Kontrolle komplett aufzugeben. Sie spielt mit meiner Eitelkeit (ich empfinde es als ziemlich beleidigend, daß er mich nicht gut im Bett findet) und versucht mich aus dieser Eitelkeit herauszunehmen. Als ich das schaffe, bin ich erleichtert.

 In diesen wenigen Zeilen spricht sie einige Themen an, die mich bewegen und zu denen mir spontan einiges zu meiner Situation einfällt. Ich schreibe nur ein paar Stichpunkte. Vielleicht habe ich die Muße, dass ich das demnächst noch etwas ausführlicher schreibe.

1.) Unverschämt werden kann sexuell sehr attraktiv sein. Das ist der burschikose Typ, der Junge, der sich nichts sagen lässt, der sich die Hände mit Öl vollschmiert oder beim Raufen mit anderen seine Hosen einsaut.
Das kerlige, männlich markante ist es, was eigentlich fast jeder Schwule am anderen Mann geil findet, vor allem, wenn dieser andere sich dann einfach nimmt, was er haben will. Und es auch noch kriegt.

2.) Unmoralische Freiheit. Tun und lassen, was man will. Geil sein. Spaß haben. Einen anderen finden, der das auch geil findet. Grenzen ausloten. Risiko eingehen. Den anderen schützen. Den anderen ausnützen. Egoist sein.

3.) „Kontrolle aufgeben.“ Jeder war schon in der Stimmung, in der einem alles egal ist. Man hat einen Scheiss-Tag auf der Arbeit gehabt, sich über alle möglichen Leute geärgert. Und jetzt will man einfach nur noch die Sau rauslasen, geil sein, Kontrolle aufgeben, wenn man den ganzen Tag kontrolliert sein muss. In diesen Momenten gibt man gerne die Kontrolle über alles auf, auch über sein eigenes Leben. Man geht ein Risiko ein, weil man eigentlich anderen eins auswischen will, aber zum Schluss Hass auf sich selbst spürt. Hass auf sich selbst, gepaart mit Lust auf Sex und einem anderen, mit dem man ungezwungenen Sex erleben kann ist eine Mischung, bei der man jegliche Kontrolle aufgeben kann – und diese zum Schluss komplett verliert.

4.) „Offenheit und Mut.“ Ich kann derzeit nicht offen zu meinen Freunden sein und von meinem positiven Status erzählen. Bin ich deswegen feige? Wäre ich mutig, wenn ich davon erzählen würde? Es ist derzeit für mich ein Abwägen zwischen dem hier und jetzt sowie dem danach. Den Zustand „danach“ kann ich nie wieder zurückdrehen. Sobald ich einem Freund aus dem offenen Freundeskreis davon erzähle, wird sich diese Nachricht herumsprechen. Und dann habe ich so viel um die Ohren, muss mich bei vielen Personen erklären, vielleicht auch rechtfertigen, muss Mitleid ertragen und noch vieles mehr. Nein – das möchte ich nicht. Darauf habe ich keine Lust. Ich finde, ich bin eher mutig, wenn ich meinen Status für mich behalte und mein normales Leben weiterlebe.

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