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Deutsche AIDS Hilfe

Deutsche AIDS Hilfe

Heute lese ich diesen Artikel:  PrEP: Die „Pille davor“ gegen HIV wird eines der Themen 2012 | Deutsche AIDS-Hilfe.

Dieser Artikel bringt für mich folgende Grundhaltung rüber: „PrEP wird künftig nicht mehr ein „Notfallmedikament“ sein, wenn der Gummi beim Analsex gerissen ist, sondern kann „bedarfsorientiert am Wochenende“ (sprich: zum bareback Rumficken) eingenommen werden.“

Meine ganz spontane Meinung: Seid ihr denn noch ganz bei Trost? Hat euch von Deutschen Aids Hilfe ein Affe in den Schwanz gebissen – oder wie kommt ihr auf diese völlig absurde Sicht der Dinge?

Ja, die „Pille davor“ ist sicher ein Dauerthema – auch in 2012. Aber wenn ich diesen Artikel hier lese, dann kann ich nur hoffen, dass dieser nicht vom Durchschnittsbürger gelesen wird.

Propagiert hier die Deutsche Aids Hilfe künftig offen Bareback-Sex (Sex ohne Gummi) in der Kombination mit der dauerhaften vorsorglichen Einnahme von HIV-Medikamenten?

HIV-Medikamente freitags einwerfen und bareback durchs Wochenende ficken?

Eine Institution wie die Deutsche Aids Hilfe hat HIV-Prävention als Aufgabe. Klar. Diese Prävention kann aber doch nicht darin bestehen, dass die vorsorgliche flächendeckende Medikation von schwulen HIV-negativen Männern propagiert wird! Genau dieses Ziel lese ich aus diesem Artikel heraus: Am Freitag Nachmittag sollen also im Idealfall alle geilen schwulen HIV-negativen Kerle vorsorglich ihre HIV-Pillen einwerfen – damit sie übers Wochenende geil unsafe ohne Gummi mit anderen Kerlen rumficken können, ohne dass sie Angst haben müssen, sich zu infizieren.

Schlechtes Gewissen – aber nur weil HIV-Medikamente viel Geld kosten

Das schlechte Gewissen kommt Armin Schafberger (seines Zeichens Abteilungsleiter Medizin & Beratung der Deutschen Aids Hilfe – Bundesgeschäftsstelle) eher, wenn’s ums Geld geht.
Argument: Wie können wir es „ethisch“ verantworten, wenn wir hier in Deutschland HIV-Medikamente vorsorglich einnehmen, damit schwule Männer unsafe rumficken können – während für den Bruchteil dieses Geldes HIV-positiven Menschen überhaupt eine dringend notwendige HIV-Medikation ermöglicht werden kann?

Dazu lese ich im Artikel folgendes:

Laut Schafbergers Berechnungen müsste man … rund 360 in Großstädten lebende schwule Männer ein Jahr lang behandeln, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Die reinen Medikamentenkosten dafür beliefen sich auf etwa 3,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2011 kostete die HIV-Ersttherapie in armen Ländern rund 160 Dollar (etwa 125 Euro) pro Jahr. Mit 3,6 Millionen Euro könnte man also rund 28.800 Menschen ein Jahr lang mit lebensrettenden Medikamenten behandeln.

Damit kommt Schafberger auf das Verhältnis 1 : 80.

Dass schon dieses Zahlenverhältnis 1 : 80 unethisch ist, dürfte jedem verantwortlich denkenden Menschen klar sein. Ich komme aber mit meiner Rechnung auf ein ganz anderes – dramatischeres – Zahlenverhältnis:

Meine Medikamente kosten rund 1.800 Euro im Monat, somit 21.600 Euro im Jahr. Multipliziert mit 360 schwulen Männern, die vorsorglich die Medikamente einnehmen, komme ich auf 7.776.000 Euro/Jahr.
7.776.000 Euro geteilt durch 125 Euro Kosten in armen Ländern = 173 Menschen.

Das ist nach meiner Rechnung ein Verhältnis von 1 : 173 – und nicht, wie von der DAH angegeben 1: 80.

Darf also nach Ansicht der Deutschen Aids Hilfe künftig 1 geiler Mann in Deutschland vorsorglich mit HIV-Medikamenten zu seinem Spaß rumficken, während 173 HIV-Positive in Afrika oder anderen armen Ländern unbehandelt weitere Menschen mit HIV anstecken oder ihrer AIDS-Erkrankung entgegen gehen?

Das kann doch nicht ernsthaft die Position von Herrn „Obermedizinalrat Schafberger“ noch der Deutschen Aids Hilfe sein?!

Damit aber noch nicht genug der Argumentation. Denn noch nicht einmal dieses krasse Kostenverhältnis ist das wichtigste Argument. Laut Artikel ist diese Frage hier für Schafberger sogar noch interessanter: die Frage, ob und wie gut die „bedarfsorientierte Einnahme“ von HIV-Medikamenten (zum Beispiel am Wochenende) überhaupt vor einer Ansteckung schützt.

Hier gebe es bisher lediglich Hinweise aus Studien mit Affen, Ergebnisse aus den geplanten Studien mit Menschen seien erst in einigen Jahren zu erwarten. In der Pipeline sei außerdem noch eine PrEP-Monatsspritze, bei der die Therapietreue höher sein dürfte.

Da wird also die PrEP-Wochenendgabe oder die PrEP-Monatsspritze als HIV-Prophylaxe angepriesen, sofern sie medizinsch durch Studien gut abgesichert wäre. Ich kann darüber nur mit dem Kopf schütteln und fragen: Lieber Herr Schafberger, liebe Deutsche AIDS Hilfe in Berlin: Seid ihr denn noch ganz bei Trost?

Ich denke zurück, wie heftig der Start meiner Medikation mit den HIV-Medikamenten bei mir war. Deswegen kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass die vorsorgliche Einnahme von diesen hammerheftigen HIV-Medikamenten ernsthaft von euch in Erwägung gezogen wird. Schon gar nicht, wenn es alleine darum geht, den Männern ihren Spaß am Wochenende zu sichern.

P.S. Sollte ich euren Presseartikel vom 06.01.12 von Aussage und Intention jedoch komplett mißverstanden haben, dann würde ich mich über eine Klarstellung bedanken.

 

Update:

 

Hier gehts zum Artikel auf http://www.zeit.dehttp://www.zeit.de/2012/02/Aids-Medikament

Hier geht’s zum Blog von zahnteufelchen, der zu diesem Thema was schreibt. http://zahnteufelchen.wordpress.com/2012/01/10/aids-medikamente-sollen-bei-riskantem-sex-schutzen-was-ist-dran/#comment-506

 

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