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Wut im Bauch - Foto: gassipods.de

Wut im Bauch - Foto: gassipods.de

Manchmal könnte ich einfach nur so explodieren. Losschreien. Einfach meine Wut aus dem Bauch rauslassen. Vorhin war wieder einer dieser Momente.

Die Situation: Ab und zu schaue ich bei meinen Eltern vorbei. Lese die Zeitung. Schaue dabei etwas Fernsehen. Wir unterhalten uns. Es ist meist Belangloses oder Alltägliches. Meistens sogar ganz gemütlich:

Was ist heute bei dir passiert? Das ist heute bei mir passiert.

Verabschiedung.

Dann kommt es doch zur Eskalation. Ich bin mir sicher, dass dies gerade zwischen Mutter und Sohn oft der Fall ist. (Ob es eine Rolle spielt, dass ich schwul bin? Ich denke schon!)

Ich: „Tschau. Machs gut!“

Sie: „Mach’s gut. Aber da fällt mir noch etwas ein, was ich dir sagen will. Ich habe gelesen, dass Cola 125.456 Würfel Zucker enthält.“

Ich: „Ok.“ {Warum erzählt sie mir das jetzt? Ich habe zwar Cola zuhause im Vorrat herumstehen. Aber ich habe gerade gar keine Lust auf Cola.}

Sie: {mit einem jammerhaften Augenaufschlag} „Ich sage dir das nur so… denn … du willst doch eine gute Figur behalten…“

{Kurz bevorstehende Explosion meiner Bauchdecke. Versuch, einen lauten Schrei zu unterdrücken}

Ich: „Oh Mann. Du schaffst es aber auch immer wieder, mich zu reizen, bis ich explodiere. Du schaffst es, mit nur einem Satz meinen restlichen Tag zu versauen!“

Tschüss und Aufwiedersehen.

{Lieblose Verabschiedung.}

Dieser Dialog hat sich tatsächlich so zugetragen. Er soll als Beispiel stehen für die wunden Punkte, die mich treffen. Gerade weil ich es nicht sage, dass ich HIV positiv bin, muss ich wohl damit leben, dass es zu solchen ungewollten Reizungen kommt, die mich zum explodieren bringen. Und dabei weiss die andere Person kaum, warum ich so reagiere.

Ich hätte weiter oben gerne rausgeschrieen:

„Es ist mir völlig egal, wie viel Zucker in der Cola ist. Nachher muss ich wieder meine HIV-Tabletten einnehmen. Diese verfickten Scheiss-Tabletten können in mir, wenn sie böse genug sind, dermaßen grausame Nebenwirkungen lostreten. Im Vergleich dazu ist es völlig – und ich betone nochmals: völlig egal, ob ich ein Glas Cola trinke oder ob ich es sein lasse.“

Stattdessen sage ich, dass Cola im Übermaß natürlich nicht gesund ist und dass man viel besser stilles Wasser trinken sollte. Ich verabschiede mich freundlich und mache auf gute Stimmung. Denn sonst ist der Abend von mir versaut und ich habe schlechte Stimmung.

Tschüss. Mach’s gut.

Ich sollte wohl besser „Hart aber fair“ schauen.

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