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Empfangsbereich einer Hausarztpraxis

Empfangsbereich einer Hausarztpraxis

Meine Erkältung ist hartnäckiger, als ich zunächst dachte. Deswegen habe ich beschlossen zu meinem Hausarzt zu gehen, den ich schon seit Jahren kenne und der mich auch bisher immer gut betreut hat. In der Vergangenheit hatte ich zum Glück keine außergewöhnlichen Krankheiten. Es waren immer nur Erkältungskrankheiten, so wie jetzt auch.
Also habe ich mittags angerufen und einen Termin für den Nachmittag vereinbart.


Damit hatte ich mich auch unter Zwang gesetzt, mich nach drei Tagen wieder einmal zu rasieren und zu duschen. (Ich mag meinen Körpergeruch, den Geruch von Schweiß unter meinen Achseln und ab und zu sogar meinen ungewaschenen Schwanz. Aber ich bin so anständig, dass ich das meinem Hausarzt nicht zumuten will: bevor ich zum Arzt gehe, dusche ich und ziehe eine frische Unterhose an; denn ich weiß ja nicht, was er alles untersuchen wird.)
Die Hausarztpraxis ist nicht sehr weit von meiner Wohnung weg, so dass ich zu Fuß hin laufen kann. Am Empfangstresen der Praxis sitzen noch immer die gleichen: zwei unattraktive Frauen im mittleren Alter – die eine mit Mundgeruch und die anderen mit Haaren auf den Zähnen. Ich kann diese Hausarztpraxis ehrlich gesagt nicht leiden, denn sie ist einfach nur schrecklich. Im viel zu kleinen Wartezimmer sah ich den Zeitschriftenstapel durch und blieb beim aktuellen Mickymaus-Heft hängen. Das hatte ich schon lange nicht mehr gelesen. Obwohl mir die Arzthelferin einen Termin gegeben hatte und ich pünktlich da war, musste ich über eine halbe Stunde warten. Zwischendurch wurde mir noch der Blutdruck gemessen (was ich als Geldmacherei des Arztes empfinde) und auf meine Frage, ob sie denn meine Temperatur messen könnte, antwortete die Frau mit den Haaren auf den Zähnen: „Nein! So was machen wir hier nicht!“ Nun denn.
Nach weiteren 15 Minuten Wartezeit konnte ich endlich zum Arzt ins Sprechzimmer.

Ein ganz lieber Mann. Er war noch genau so, wie bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren.

Er:  „Sie haben die Haare kürzer kann das sein?“

Irritiert von dieser Frage (Hey, ich bin HIV positiv, bin erkältet – und Du fragst nach meiner Frisur…??? Geht’s noch?) fuhr ich mir mit meiner Hand durch die Haare und erzählte irgendwas von meinem letzten Friseurbesuch in der letzten Woche. Dann seine kurze Untersuchung: nachdem er mir in den Mund geschaut und meine Lunge abgehört hatte, schrieb er mir zwei Medikamente auf und schrieb mich für den Rest der Woche krank.

Von den beiden Schreckschrauben am Empfang verabschiedete ich mich, ohne eine Reaktion zu erhalten.

Die Medikamente erhielt ich in der nahegelegenen Apotheke und lief wieder nach Hause zurück.

In meiner Küche angekommen, stutzte ich: Er hatte mir einen pflanzliches Medikament verschrieben.  Ich erinnerte mich an die Worte von meinem HIV-Arzt der mir zu Beginn meiner HIV-Therapie sagte, dass ich auf die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten achten muss, gerade auch mit den frei verkäuflichen.

Dazu muss ich folgendes erklären: Meinem Hausarzt habe ich nichts von meiner HIV-Infektion erzählt. Dazu ist diese Hausarztpraxis zu klein und – wie du aus meinen Schilderungen heraus hören kannst – fehlt mir das nötige Vertrauen, dass eine besonders heikle Diagnose auch wirklich geheim gehalten wird. Ich habe eher die Befürchtung, dass meine HIV-Infektion anschließend im Ort, wo ich wohne, die Runde macht.  Dummerweise ist genau jetzt mein HIV Arzt nicht zu erreichen.

Was also tun?

Ich habe mich an den Computer gesetzt und gegoogelt. Gefunden habe ich folgende Adressen:

Eine Seite der Deutschen Aids Hilfe: www.hiv-wechselwirkungen.de

Auf der Website der Aids Hilfe Köln habe ich sogar eine Liste (Med-Info – Ausgabe 56 – Oktober 2006: PDF mit 20 Seiten) gefunden welche rezeptfreien Medikamente Unverträglichkeiten mit HIV Medikamenten haben.

Es gibt einen Kontakt zum Institut für Infektiologie und Immunologie  in Hamburg mit einer  Telefonnummer, wo man ärztlichen Rat in Bezug auf Wechselwirkungen mit HIV Medikamenten einholen kann.
Also habe ich dort angerufen und meine Frage auf der Mailbox hinterlassen; circa 30 Minuten später rief ein recht freundlicher Arzt zurück und nahm sich genug Zeit um mit mir die Sache zu erörtern. (Herzlichen Dank an dieser Stelle für das freundliche Telefonat und dass ein solcher Service angeboten wird.)

Ich nehme nun nur eins der zwei verschriebenen Medikamente, trinke noch eine heiße Tasse Tee und lege mich dann ins Bett.

Das war übrigens einer der wichtigen Ratschläge des Arztes: man soll auf seinen Körper hören und im Uhr und viel Schlaf gönnen.

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