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Harold S. Kushner - Vom Glück im Unglück

Harold S. Kushner - Vom Glück im Unglück

Was macht glückliches Leben aus? Wie kann ich ein glückliches Leben mitten im Unglück führen?

Diese Fragen beschäftigen auch mich. Vor einiger Zeit fand ich zu diesem Thema ein Buch von Harold S. Kushner mit dem Titel „Vom Glück im Unglück“, das ich gestern wieder einmal zur Hand nahm und darin las.

Ich möchte Dir ein paar Gedanken weitergeben, die ich sehr motivierend finde, wenn man das Gefühl hat unglücklich zu sein.

Vor einigen Jahrzehnten führte der Psychiater Dr. George Vaillant eine Studie mit dem Titel „Aging Well“ durch. Er ging der Frage nach, ob man bis zum 30. Lebensjahr eines Menschen Charakteristika finden könnte, die zu einem beruflichen und privaten Erfolg führen.

Als Ergebnis fand Vaillant zwei Charakteristika heraus, die für eine Zufriedenheit am Lebensende ausschlaggebend sind.

Erstens benötigt man einen wachsenden Freundeskreis oder auch einen „wachsenden sozialen Radius“. Die Anzahl der Bezugspersonen darf nicht kleiner werden. Wir sollen neue Freundschaften knüpfen, da alte Freunde aufgrund von Tod oder Umzügen aus unserem Leben treten.
Alle sechs Monate soll man sich fragen: „Habe ich in der letzten Zeit einen neuen Freund dazugewonnen?“

Zweitens muss man verstärkt in der Lage sein, kleine Beleidigungen und Verletzungen verzeihen zu können.
Wenn man schon für Rückblicke in die Vergangenheit ebenso viel oder sogar mehr Zeit aufwendet, wie für Zukunftsbetrachtungen, dann sollte man sich bemühen, mit Dankbarkeit und Zärtlichkeit und nicht voller Bedauern und Verbitterung zurückzuschauen.

Zitat von Gregg Easterbrook aus „The Progress Paradox“:

Menschen sind glücklich, wenn sie optimistisch und dankbar sind und wenn sie verzeihen können.
Wenn man nur an seine Enttäuschungen und unerfüllten Wünsche denkt, ist man für Traurigkeit anfällig. Wenn man sich jedoch seiner Enttäuschungen bewusst und gleichzeitig dankbar für das Gute ist, dann stellt sich leicht eine tiefe Zufriedenheit ein.

Das ganze gibt mir Mut und stimmt mich hoffnungsvoll. Ich bin schon jetzt ein insgesamt glücklicher Mensch. Und ich hoffe, dass ich das auch weiterhin bleiben werde.

Ich beschäftigte mich nicht nur mit der HIV+AIDS-Problematik, sondern ich habe zahlreiche andere Interessengebiete und engagiere mich ehrenamtlich an einigen Stellen. Das ist für mich die beste Möglichkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Und das gibt die gute Basis, dass ich darunter auch den einen oder anderen näher kennenlerne und als Freund gewinne.

Wenn Du jemand bist, der vielleicht eher zuhause sitzt und Angst hast, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, dann hat das sicher seine Gründe.  Aber nichts muss bis zum Lebensende so bleiben, wie es jetzt ist. Das Leben geht weiter und kann sehr viel Spaß machen und sehr viel Erfüllung bringen. Du musst es nur wollen.

Wenn Du in der Vergangenheit von anderen Menschen verletzt oder enttäuscht worden bist, dann mag das sehr schmerzhaft gewesen sein. Auch mich haben Menschen verletzt und enttäuscht.
Fairerweise muss ich aber auch der Vollständigkeit und der Ehrlichkeit halber ergänzen: Auch ich habe in meinem Leben garantiert (unbewusst und fast immer ungewollt) Menschen verletzt und enttäuscht. Es gab Menschen, die sich in mich verliebt hatten, und die ich zurückgewiesen habe. Es gab Menschen, die Sex mit mir wollten und die ich einfach stehen gelassen habe. Es gab Menschen, die  sehr gerne mit mir näher befreundet gewesen wären, die ich aber total uninteressant und langweilig fand und den Kontakt abflauen ließ.

Gleiches ist natürlich auch mir passiert. Ich bin von Menschen zurückgewiesen worden, in die ich mich verliebt hatte. Ich hatte gerade keinen Sex mit den Menschen, die ich am geilsten fand. Und ich konnte auch nicht die Freundschaft mit den Menschen schließen, die ich interessant fand.

Dies sind aber Rückblicke in meine Vergangenheit. Das ist geschehen, abgeschlossen – aus und vorbei.  An diese Ereignisse denke ich nicht mit Verbitterung und Gram zurück. Nein! Ich habe diesen Menschen, die mir damals vielleicht weh getan hatten, verziehen. So wie auch ich hoffe, dass sie mir verziehen haben. Nur dieses Verzeihen gibt mir die Kraft und Gewissheit, dass ich mit frischer Energie neues anpacken kann und soll.

Mit der gleichen Energie, mit der ich in die Vergangenheit schaute, soll ich (nach Anweisung der Autoren) in meine Zukunft schauen. Die Zukunft liegt direkt vor mir, sie fängt hier und heute an. Sie liegt in meiner Hand, in meinem Handy, in meinem PC, in meinem gayromeo-Profil,  in meinem iPhone, in meinem Veranstaltungskalender des laufenden Monats, in meinem Telefonbuch, mit Freunden, die ich wieder einmal anrufen sollte.

Also: Auf geht’s!

Links: 

Hier ein Artikel mit Video von Dr. George Vaillant : http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2009/06/what-makes-us-happy/7439/

Bei Amazon gibts das Buch sogar noch in Restexemplaren: http://www.amazon.de/Vom-Gl%C3%BCck-Ungl%C3%BCck-Entt%C3%A4uschungen-lernen/dp/3579069632

ISBN: 978-3-579-06963-0 – Gütersloh – 2007

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