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Vertraulichkeit am Apothekentresen - eine Seltenheit!

Vertraulichkeit am Apothekentresen – eine Seltenheit!

In meinem Paket mit meinen Medis war die Apotheken-Umschau drin. Diese Zeitschrift habe ich schon lange nicht mehr gelesen und so blätterte ich sie durch.
Ok – sie ist ganz unterhaltsam aufgemacht; hier und da ist auch etwas Interessantes für mich dabei. So lese ich zum ersten Mal von der „Apothekenbetriebsordnung“, die für jede Apotheke mit einem Ladengeschäft gilt.

So wird nun verpflichtend geregelt, dass der Ladenraum einer Apotheke „so gestaltet sein muss, dass die Vertraulichkeit bei Kundenberatungen gewahrt wird. Inbesondere soll das Mithören des Beratungsgesprächs durch andere Kunden weitestgehend verhindert werden.“

Erlebte Episode in der Apotheke

Da fällt mir eine – erst im nachhinein – lustige Episode ein, die ich vor einiger Zeit in einer mittelgroßen Apotheke erlebte.
Ich hatte meine Medikamente bestellt: Rezept mittags abgegeben und gefragt, wann die Lieferung voraussichtlich eintreffen wird.

Immer Auszubildende am Tresen

Ich habe immer das Glück, dass ich eine Auszubildende am Tresen erwische. Diese junge Frau wusste nicht, wie die Abläufe sind und musste eine Kollegin fragen. Also lief sie – mit meinem Rezept in der Hand – zur Kollegin am Tresen nebenan und gab mir anschließend die Auskunft. Ich sollte kurz vor Ladenschluss vorbei kommen, dann wäre alles vollständig da.
Gut – diese Auskunft lief sogar vertraulich ab, denn die Frau hinter dem Tresen erwähnte nicht meine verordneten Medikamente.

Abholen der Medikamente

Umso verärgerter war ich, als ich schließlich zum Abholen der Medikamente am frühen Abend in die Apotheke kam. Dort wurde ich von einer anderen Frau bedient.
Obwohl ich einen Abholzettel hatte, der irgendein Ordnungsmerkmal trägt, konnte die gute Frau meine Medikamente nicht auf Anhieb finden.
Das führte dazu, dass das gesamte Personal meine Medikamente in der Apotheke suchen ging.

Schon das war mir etwas peinlich, denn ich wusste genau, dass sie sich untereinander sagten: „Ich finde die AIDS-Medikamente von dem Mann nicht, der da am Tresen steht. Helft mir bitte suchen.“
Wie auch immer: schließlich kam sie mit meinen Medikamenten in der Hand zum Tresen und legte los.

Sorgfältiges Arbeiten? Ja – aber…

Sicher – Apotheker müssen sorgfältig arbeiten und auch prüfen, dass die ausgehändigten Medikamente mit dem Rezept übereinstimmen.
Aber das lief so ab, wie man es aus dem Video mit Ingolf Lück und Hella von Sinnen kennt.


Lautstark las die Frau Apothekerin das Rezept vor: „ SO, DA HÄTTEN WIR ALSO EINMAL TRUVADA DREISSIG TABLETTEN UND EINMAL KALETRA AUCH DREISSIG TABLETTEN. ICH PACKE SIE IHNEN JETZT HIER IN DIE TÜTE EIN. HABEN SIE NOCH EINEN WUNSCH?“

Ich antwortete ihr: „Ja, ich möchte Ihnen eine Rückmeldung geben, wie das hier auf mich gewirkt hat. Ich habe ganz sicher Verständnis dafür, dass Sie das Rezept und die Medikamente nochmals zur Sicherheit überprüfen müssen. Auch kann ich mir vorstellen, dass Sie es jeden Tag mit den unterschiedlichsten Medikamenten für die unterschiedlichsten Krankheiten zu tun haben.
Aber wenn Sie am Tresen die Namen lautstark heraus posaunen, dann hört sich das für mich so an wie: „Herr Müller, hier sind die Tabletten für Ihr wundes offenes Bein und die Creme für Ihre Analfistel, die einfach nicht weggehen will.“

Bitte etwas mehr Vertraulichkeit.

Ich machte ihr klar, dass die Namen der üblichen HIV-Medikamente durchaus geläufige Begriffe sind. Daher möchte ich es nicht, wenn nebenan eine Person die mir verordneten Medikamente mithört und daraus schließen kann, welche Krankheit ich habe.
Das kommt quasi einem Outing in der Apotheke nahe.
Die Frau Apothekerin sagte mir als Reaktion, dass sie das so noch gar nicht gesehen hätte. Zukünftig wird sie an dieser Stelle auf mehr Diskrektion achten.
Diese Begebenheit fiel mir ein, als ich von der neuen Apothekenbetriebsordnung erfuhr.

Diskretion ist keine Frage von Baumaßnahmen

Um Diskrektion im Umgang mit Apothekenkunden zu erreichen, sind meiner Meinung nach aber gar keine großartigen Baumaßnahmen notwendig. Etwas mehr Fingerspitzengefühl des Apothekenpersonals wäre schon ausreichend: etwas weniger laute Geschwätzigkeit und launiges Geplapper würde schon ausreichen.

Danke für’s Foto

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