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"Verliert Aids den Schrecken?"

„Verliert Aids den Schrecken?“

Heute ist Sonntag und ich habe Zeit. Wegen der Umstellung auf Winterzeit heute nacht habe ich sogar noch eine Stunde mehr Zeit. So kann ich bei einigen Tassen Milchkaffee ganz in Ruhe die Welt am Sonntag (WamS) lesen.

Ein Artikel lässt meinen Puls anschwellen. Schon der erste Satz regt mich tierisch auf: „Die Diagnose Aids ist schon lange kein Todesurteil mehr.“

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen eine Rezension über diesen Artikel zu schreiben.

Doch nun der Reihe nach:

Der Welt am Sonntag – Ausgabe Nummer 44 vom 28.10.12 – liegt die Redaktionsbeilage Nr. 19/2012 mit dem Titel „GESUNDHEIT“ bei.

Diese Redaktionsbeilage erscheint auch – teilweise – online unter www.gesund-magazin.de

Auf den Seiten vier und fünf ist ein großer Artikel mit dem Portrait von Annie Lennox zu finden. Autorin ist: Angelika Sylvia Friedl.

Die Überschrift lautet: „Verliert Aids den Schrecken? HIV – Studien zeigen, dass Medikamente das Ansteckungs-Risiko minden können.

Der Artikel ist insgesamt fachlich überzeugend geschrieben und präsentiert die Fakten, die einem HIV-Positiven geläufig sind, recht gut recherchiert.

Deswegen ärgert mich, dass schon im ersten Satz die beiden Themenkomplexe HIV und AIDS völlig falsch vermischt verwendet und dargestellt werden. Das wird gemacht, obwohl weiter unten im „Faktenkasten“ die Definition zu Aids korrekt wiedergegeben wird: „Von Aids… spricht man erst, wenn schwere Krankheiten ausbrechen.“

Umso mehr ärgere ich mich, wenn ich lese, dass unter www.gesund-magazin.de bereits korrekt recherchierte Fakten zur Unterscheidung von HIV und AIDS publiziert wurden. Bereits im August 2010 wurde hier online ganz korrekt geschrieben:

AIDS und HIV sind nicht das Gleiche: Menschen, die das HI-Virus in sich tragen, sind nicht automatisch auch an AIDS erkrankt.

Warum konnte man diesen banalen, aber extrem wichtigen Unterschied, nicht auch prominent zwei Jahre später im heutigenArtikel so publizieren?

In der Bevölkerung werden HIV und AIDS noch immer synonym verwendet. Es wird umgangssprachlich nicht zwischen einer reinen HIV-Infektion und einer AIDS-Erkrankung unterschieden.

Grundlage für Angst und daraus folgende Diskriminierung

Eben diese Nicht-Unterscheidung ist die schlimme Grundlage für – völlig berechtigte – Angst in der Bevölkerung vor einer möglichen eigenen Infektion, die natürlich jeder vermeiden will.

Dass damit aber auch der Nährboden für Angst vor harmlosen HIV-Infizierten geschaffen wird, denen „man möglichst nicht zu nahe kommen sollte“, wird völlig unterschätzt.

Umso mehr kann ich deswegen von einem anspruchsvollen Artikel erwarten, dass er diese beiden Themenkomplexe korrekt auseinander hält. Nur damit kann in der breiten Bevölkerung auch eine korrekte Wissensvermittlung erfolgen.

Vermischung der Begriffe HIV und AIDS

Die Vermischung der Begriffe HIV und AIDS wird sogar Norbert Brockmeyer in einem Zitat in den Mund gelegt: „Aber richtig prophylaktisch eingenommene Aidsmedikamente schützen vor einer HIV-Infektion.“
Sind es nicht vielmehr HIV-Medikamente, also Medikamente für HIV-Positive, weswegen eine Aids-Erkrankung gerade noch nicht ausgebrochen ist – und auch gerade wegen der Medikation nicht ausbrechen wird?

Was, bitteschön, sollen denn „Aidsmedikamente“ sein?

Aids bedeutet zum Beispiel, dass ich eine Lungenentzündung habe. Also muss dann die Lungenentzündung behandelt werden. Sind dann Medikamente zur Behandlung der Lungenentzündung dann auch Aidsmedikamente?
An dieser Stelle im Artikel wäre mehr Klarheit und die eindeutige Verwendung von Begriffen sehr hilfreich gewesen.

HIV-Prophylaxe mit Truvada

Im weiteren Artikel wird der Sachverhalt der HIV-Prophylaxe mit Truvada meiner Meinung nach gut dargestellt. So werden diese Themenbereiche angesprochen: Kosten der Behandlung mit Truvada von ca. 780 Euro/Monat, Therapietreue des Patienten, Nebenwirkungen.

Der Artikel schließt mit der Forderung, dass zunächst Medikamente für HIV-Positive in armen Ländern verfügbar sein müssen, bevor diese für medikamentöse Prävention verwendet werden.

Mein Fazit:

Gut, dass das Thema HIV so prominent angesprochen wird.

Schlecht, dass vorhandenes und bereits publiziertes Faktenwissen nicht korrekt weitervermittelt wird.

Liebe Autorin, Angelika Sylvia Friedl: Beim nächsten Mal bitte im eigenen Magazinarchiv recherchieren und dann genauer schreiben.

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