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Ich sehe meinen Freund sitzen. Er sitzt auf dem Boden.

Er ginst mich an. Es ist dieser vertraute Blick, teilweise sogar liebevoll. So wie er  mich damals angelächelt hat, als wir noch verliebt waren. Als wir noch zusammen waren.

Er sitzt auf dem Laminat-Fußboden: Inmitten von allen möglichen Dingen, die man für eine Session in Sachen SM benötigt. Viel schwarzes Leder ist darunter, Hand- und Fußfesseln. Aber die Materialien spielen gar nicht so die Rolle.

Es ist immer wieder dieser Blick. Nein, ich will nicht sagen, dass es dieser „treudoofe Dackelblick“ ist. Dafür ist er nicht der Typ. Eine Mischung aus liebevoll und geiler Erwartung.

Aber das sind Gedanken an frühere Zeiten. Es waren schöne Zeiten. Größtenteils schöne Zeiten. Nein, es waren auch bößartige Momente dabei, Zeiten die ich verdränge und an die ich mich nicht erinnern möchte.

Es war die Zeit, zu der ich noch nicht HIV-positiv war. Ich konnte geilen Sex ohne Gummi mit ihm haben. Es war intensives Erleben.

Davon geblieben sind nur noch wenige Erinnerungen – eben an diese schönen Zeiten, die nun vergangen sind. Zurück geblieben ist: nichts. Naja, Nichts wäre übertrieben wenig. Wenig ist zurück geblieben.

Ich hatte sogar schon wieder einmal Sex mit dem Ex. Sogar als ich ihm erzählte, dass ich HIV-positiv bin. Das rechne ich ihm hoch an. Aber selbst dieser Moment, den ich erleben durfte, war icht mehr so wie damals, so wie früher, so wie zu Beginn. Der Zauber ist verflogen. Ja, das ist es – glaube ich. Das ist es vor allem: Der Zauber ist nicht mehr da, der Zauber des Anfangs.

Aber genau in diesem Moment sehe ich ihn nun wieder in meinem Traum. Er sitzt auf dem Boden, vorbereitet, erwartungsvoll – aber für jemand anderen, der wohl gleich zu ihm kommen wird. Und mit diesem Jemand wird er dann den Sex haben, den ich niemals mehr mit ihm haben werde.

Dieses Fort-Denken macht mich sehr traurig. Es ist ein Wieder-Haben-Wollen der Vergangenheit: mit ihm aber auch ohne HIV.

Denn inzwischen habe ich HIV gegen Beziehung eingetauscht. Weniger der Sex, der zwar auch etwas. Aber vor allem steht HIV und Liebe gegeneinander.

 

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