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Schrott – habe den Filmanfang um 22:45 verpasst… Jetzt schaue ich mir diesen Dokumentarfilm an. Bin sehr gespannt 😉

Inhalt:

Film von Ringo Rösener und Markus Stein
„Ich denke, wenn ich mich geoutet hätte, wäre das besser gewesen. Da war ich zu feige.“ Das späte Outing eines pensionierten Lehrers aus Leipzig, der sich erst im Zuge der Dreharbeiten zu „Unter Männern“ öffentlich zu seinem Schwul-Sein bekennt.
Homosexualität wurde in der DDR nicht verfolgt. Trotzdem, geoutet hat sich keiner, denn anders sein – egal auf welche Art und Weise – ist in keinem totalitären System besonders gefragt. In der DDR konnte man damit leicht zum Staatsfeind avancieren und ins Visier der Stasi geraten. Aber auch das ganz gewöhnliche Alltags-Dasein im Arbeiter- und Bauernstaat war für Schwule nicht ohne Tücken: die Verschwörung des Schweigens, die Ächtung, das Unverständnis und Intoleranz vieler Mitmenschen. Der Druck zu Gesellschaftskonformität und sexueller Diskretion, das alles lastete schwer.
Wie also lebte man als Schwuler in der DDR? Wie wurde Homosexualität im „real existierenden Sozialismus“ gelebt, in einem Staat, dessen Ideologen in der Homosexualität einen Rest bürgerlich-dekadenter Moral witterten und Gefahren für die sozialistische Gesellschaft sahen.
Regisseur Ringo Rösner lässt sechs Männer zu Wort kommen, die in aller Offenheit über ihre sozialen und intimen Erfahrungen sprechen. Wir lernen Menschen kennen, die unterschiedlicher, auch widersprüchlicher, nicht sein könnten.
Christian Schulz ist fast 80. Der pensionierte Lehrer hat sich nie offen als schwul geoutet und wollte eigentlich gar nicht bei dem Film mitmachen. Er tat es trotzdem getan, denn „vielleicht hilft es manchen anderen, aus meinem Leben Lehren zu ziehen“. Jahrelang hat er gegen seine Homosexualität abgekämpft, mit psychiatrischer Hilfe wollte er „gesellschaftskonformer“ werden. Lange hat er seine sexuelle Neigung nicht ausgelebt, sondern sich stattdessen in den Sport gestürzt. Der Turner ist der Zweifler unter den Porträtierten, der nun mit seinem (nicht) gelebten Leben hadert.
Es sind offene Gesprächssituationen, in denen auch die anderen Männer vor der Kamera viel von sich preis geben: Eduard Stapels, Theologe und als treibende Kraft der ostdeutschen Schwulenbewegung immer im Schussfeld der Stasi; der Grafiker Jürgen Wittdorf, der davon erzählt, wie es ist „wenn man Liebe sucht und mit dem Tod bedroht wird“; der Glaskünstler John Zinner, der sich traute, sich in der tiefsten Thüringischen Provinz zu outen und „damit eine Lawine lostrat“; Helwin, aus Chile eingewandert, für den die DDR ein wahres „Schwulenparadies“ war. Und der Szene-Friseur Frank Schäfer, als Paradiesvogel mit bunten Klamotten und Punkfrisur häufig im Konflikt mit der Staatsmacht, aber „viel verhaftet war auch viel cool“. Er ist der einzige, der sich in den Westen absetzte, der Liebe wegen.
Jeder der sechs Protagonisten hat seine persönlichen, negativen wie positiven Erfahrungen gemacht und ist seinen ganz eigenen Lebensweg gegangen, in „Unter Männern – Schwul in der DDR“ entsteht daraus ein differenzierter Einblick in das (schwule) Leben in der DDR und gleichzeitig eine universelle Reflexion über Lebenslauf und Selbstbestimmung.
Ein einzigartiger Dokumentarfilm über ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte, das im öffentlichen Bewusstsein bislang fast vollständig ausgeblendet war. Ein Film, der mit beachtlicher Resonanz im Rahmen der Berlinale 2012 seine Premiere hatte und – inzwischen mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ versehen – für viel Wirbel gesorgt hat. „Ein gelungener und pointiert erzähltes Plädoyer für das Recht auf selbstbestimmte Sexualität und die Freiheit, einfach nur man selbst zu sein.“
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