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Gefängnisstrafe

Gefängnisstrafe

Der Sachverhalt ist schnell erzählt: Zwei junge Männer haben Sex; einer von beiden ist HIV-positiv, was er aber verschweigt. Danach ist der andere auch positiv und es kommt zu einer Gerichtsverhandlung.

Am Ende wird der erste HIV-Positive wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt: zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten sowie einer Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 75.000 Euro an seinen damaligen Sex-Partner.

Von diesem Urteil wird bei merkur-online  und bei queer.de berichtet. Dieser Fall wird bei queer.de auch sehr rege diskutiert. Es kommen die üblichen Argumente zu dieser Thematik.

Ich finde es schon sehr hart, dass es überhaupt zu einer Anklage mit Gerichtsverhandlung kommt; ausserdem finde ich die Höhe der Haftstrafe sowie die Höhe des Schmerzengeldes extrem hoch.

Es wird überhaupt nicht berichtet, ob der erste HIV-Positive Mann bereits HIV-Medikamente nahm – und damit nicht mehr infektiös gewesen ist – oder dieses bewusst nicht gemacht hat. Im Artikel wird erwähnt, dass HIV-Positive unter regelmäßiger Medikation nicht mehr infektiös sind. Wenn der erste Mann auch nicht mehr infektiös gewesen ist, dann könnte ich das Urteil noch sehr viel weniger verstehen.

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Artikel von merkur-online: http://www.merkur-online.de/lokales/starnberg/landkreis/kameraden-hiv-angesteckt-haft-3025101.html

27-Jähriger muss ins Gefängnis

Kameraden mit HIV angesteckt: Haft

Feldafing – Ein Soldat hat seinen Kameraden mit dem HI-Virus angesteckt, das AIDS auslöst. Jetzt muss er ins Gefängnis und Schmerzensgeld zahlen.

Es war eine einzige Liebesnacht, die das Leben eines Soldaten (28) aus Halle für immer veränderte. Im Herbst 2009 hatte er in der Kaserne in Feldafing (Kreis Starnberg) ungeschützten sexuellen Kontakt mit einem Kameraden (27) aus Stendal. Dabei infizierte er sich mit dem heimtückischen HI-Virus. Deshalb klagte die Staatsanwaltschaft München II den 27-Jährigen, der seit 2007 von seiner Infektion wusste, wegen gefährlicher Körperverletzung an. Das Amtsgericht in Starnberg verurteilte ihn im Januar zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, weil er „unverantwortlich“ gehandelt habe.

Doch der Angeklagte ist in Berufung gegangen. Wie ein Häufchen Elend sitzt er am Donnerstag auf der Anklagebank, als der Fall vor dem Landgericht noch einmal aufgerollt wird. Sein ehemaliger Sexualpartner sitzt ihm gegenüber. Der Angeklagte blickt beschämt zu Boden – er will nichts sagen. Es falle ihm sehr schwer, sagt Verteidiger Alexander Eckstein, der für den Angeklagten spricht: Dieser gebe alles zu und wolle „nochmal sein Bedauern ausdrücken“; er habe einen Entschuldigungsbrief geschrieben, den der Anwalt dem 28-Jährigen übergibt. Dieser nimmt den Brief an.

Dennoch ist nach einem Rechtsgespräch klar, dass der Angeklagte auch vor dem Landgericht schlechte Chancen hat. Mit Tränen in den Augen nimmt er die Berufung zurück. Das Urteil ist rechtskräftig – er muss in Haft.

Die Männer hatten sich auf einer Internet-Plattform für Homosexuelle kennengelernt. Als der 27-Jährige als Stabsunteroffizier in der Kaserne Feldafing auf Lehrgang war, traf er sich mit dem 28-Jährigen, der als Feldwebel auf einem Lehrgang in der Kaserne Pöcking weilte. Mit Kameraden tranken sie auf der Stube Alkohol. Als die anderen noch ausgingen, blieben die zwei allein zurück. Der Stendaler sei aber nicht so betrunken gewesen, „dass er nicht mehr wusste, was er tut“, sagte der Hallenser schon am Amtsgericht. Bei einer Blutspende erfuhr er von der HIV-Infektion. Seitdem hat er körperliche Beschwerden und verlor viele Freunde.

Das HI-Virus ist nach wie vor ein tödliches Virus. Deshalb auch die Anklage als gefährliche Körperverletzung, also „eine das Leben gefährdende Behandlung“, wie der Jurist sagt. Zwar haben sich die Therapien verbessert. „90 Prozent der Therapierten gehen unter die Nachweisgrenze“, sagt Gutachter Josef Eberle, Professor für Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Erfolgreich Therapierte haben eine fast normale Lebenserwartung von über 70 Jahren.“ Unbehandelt dagegen stirbt innerhalb von zehn Jahren etwa die Hälfte.

Doch Eberle stellt klar: Nur wer sich testen lässt, profitiert von der Therapie. Außerdem stellt die Therapie bei allem Erfolg doch eine „deutliche Schmälerung der Lebensqualität“ dar. Darum kann das Opfer laut Gericht mit Schmerzensgeld in Höhe von rund 75 000 Euro rechnen.

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