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Daianny García und Daniel García, Moderatoren der kolumbianischen TV-Sendung

Daianny García und Daniel García, Moderatoren der kolumbianischen TV-Sendung „El Sofá“ (Bild: Johannes Damian)

Der Deutschlandfunk (DLF) berichtete aus Kolumbien: Dort gibt es die Fernsehsendung „El Sofá“, die über schwules Leben sendet. Hörenswert!

Kolumbianische TV-Sendung für die Akzeptanz sexueller Vielfalt

Von Johannes Damian und Claudia Niesen

Diskriminierung und Gewalt sind für Schwule, Lesben oder Transsexuelle vielerorts Alltag. Die Fernsehsendung „El Sofá“ in Kolumbien versucht, den Alltag dieser Menschen zu zeigen und Vorurteile abzubauen.

Kurz vor Beginn der Aufzeichnung. Es wird langsam dunkel auf dem Innenhof des Kunstmuseums in der kolonialen Altstadt von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Auf einem lilafarbenen Sofa sitzt Daianny García, die kurzen, wasserstoffblonden Haare nach oben gestylt. Co-Moderator Daniel García schaut in die Kamera und probt die Anmoderation. Ihre Sendung „El Sofá“ (Das Sofa) soll eine Bühne sein für Schwule, Lesben, Bi-, Inter- und Transsexuelle – kurz LGBTI.

Daniel García: „Wir versuchen, durch die Sendung ein Bewusstsein für vielfältige Lebensweisen zu schaffen. Damit die Menschen merken, dass sie unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität sie selbst sein können.“

Daniel García weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Mut Menschen in Kolumbien brauchen, wenn sie ihre geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung nicht verbergen wollen, nur weil diese nicht dem heteronormativen Gesellschaftsbild entspricht:

„Ob man sich outet, muss jeder selbst entscheiden. Wichtig ist, dass die Gesellschaft es einem erlaubt, diese Entscheidung frei zu treffen.“

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission zeigt sich besorgt über das hohe Maß an homophober Gewalt in Kolumbien – diese reicht von Diskriminierung bis hin zu Mord. Mit Vorurteilen und Stereotypen aufzuräumen, ist daher eine der größten Herausforderungen von „El Sofá“, sagt Daianny. Ihre Gäste sind Künstler und Sportler, Anwälte und Architekten aus der LGBTI-Community.

Daianny García: „Auf diese Weise zeigen wir den Zuschauern, dass die Menschen, neben den existierenden Stereotypen, in ganz unterschiedlichen Berufen erfolgreich sind – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.“

Diese steht bei „El Sofá“ allerdings nie im Vordergrund. Auf dem lilafarbenen Sofa wird über Popkultur, Wissenschaft, Sport und Politik diskutiert.

Im fünften Stock eines grauen Hochhauses sitzt Hollman Morris hinter seinem Schreibtisch. Draußen drängt der Verkehr Richtung Zentrum, in der Ferne die wolkenverhangenen Berge. Seitdem der Journalist und Menschenrechtler den öffentlichen Hauptstadtsender Canal Capital leitet, steht die Förderung der Menschenrechte im Mittelpunkt. Das Motto „ein humaneres Fernsehen“ – „El Sofá“ hat für ihn vor allem eine pädagogische Funktion.

Hollman Morris: „Wir machen „El Sofá“ nicht für Schwule, Lesben und Transsexuelle, sondern für die gesamte Gesellschaft. Damit jeder erfährt, welche Rechte diese Menschen haben und wie sie leben.“

„El Sofá“ hat auch Gegner. Der konservative Stadtrat und evangelikale Priester Marco Fidel Ramírez nannte die Inhalte von „El Sofá“ „pornografisch“ und „vulgär“ – unvereinbar mit dem Bildungsauftrag eines öffentlichen Senders:

„Canal Capital, unter der Leitung von Dr. Hollman Morris zerstört auf schäbige Weise die Moral dieser Stadt.“

Morris aber sieht es als seine Aufgabe, durch Sendungen wie „El Sofá“ Diskriminierung zu bekämpfen und sich für die Rechte von Minderheiten einzusetzen.

Hollman Morris: „Das öffentliche Fernsehen sollte einer Regierung oder einer Gesellschaft den Spiegel vorhalten und zeigen wie demokratisch diese ist. Und dafür muss es all die unterschiedlichen Gesichter, die Vielfalt und Pluralität widerspiegeln, die die Gesellschaft hier in Bogotá ausmachen.“

Fertig geschminkt erwarten die beiden Moderatoren auf dem lilafarbenen Sofa ihre Gäste. Daianny schaut entschlossen durch ihre große Brille und lächelt. Trotz des politischen Gegenwinds wolle sie weitermachen. Das Sofa ist für sie mehr als nur ein Arbeitsplatz:

„Mich macht es glücklich, wenn ich E-Mails bekomme, in denen mir jemand schreibt: Ich habe mich meiner Mutter geoutet und ich bin sehr stolz darauf. Danke, dass ihr die Sendung macht und die Menschen uns dadurch wahrnehmen.“

Link zum Artikel:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/2243849/

Hier zum Nachhören:
http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&broadcast=196828&datum=20130907&playtime=1378567284&fileid=77624ddd&sendung=196828&beitrag=2243849&

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